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bannerschau2007

Die Bannerschau 14 n.Y.

Hallo liebes Tagebuch,

Seit einigen Wochen reise ich nun mit Langoras und der Schwarz-Weißen Garde von Oerhus mit Umweg über die Nordmark in Richtung Ludwigstein, und es ist Zeit, einen Bericht zu verfassen, bevor ich meine eigenen Notizen nicht mehr verstehen kann. In dieser verrauchten Taverne, in der ich gerade an einem wackeligen zerkratzten Tisch sitze, ist der Apfelmost erträglich und die Betten wanzenfrei, was mehr ist, als man sich in manchen Ecken Larhgos erhoffen kann. Ich habe auf meinen Reisen wahrlich schon schlimmer geschlafen. In der Gesellschaft von Langoras und der Garde kommt man ganz schön herum. In nur einem halben Jahr habe ich mit ihnen Averbergen gesehen, Nordort, Oerhus, die Nordmark, die Weitlande im fernen Westen, habe fast alle Grafen und Reichsritter getroffen und sogar der Krönung eines Königs beiwohnen dürfen. Langweilig wird es jedenfalls nie. Nur den Abstecher in die Grenztaverne zwischen Hammerburg und Frosthier habe ich alleine gemacht, und prompt den Ausbruch der offenen Händel mit den Piraten miterlebt.

Tag eins : die Mächtigen

Doch genug davon, ich wollte über die Kür schreiben. Wir trafen am späten Nachmittag in der Unterkunft bei Oerhus ein und machten es uns auch schnell in der dazugehörigen Taverne gemütlich, wo wir auch prompt weitere schwarz-weiße Wappenröcke antrafen. Wir waren noch früh dran, denn die meisten Würdenträger reisten etwas später an. Da war zunächst mal Graf Klaas Radebrecht von Hammerburg, begleitet von Marius, dem Hauptmann der Hammerburger Wacht, weiteren Hammerburgern und zwei Kämpferinnen der Löwengarde - wenn ich es richtig verstanden habe, so etwas wie Ritterinnen. Die Robenträger des Quintanerordens in rot, weiß, blau und gelb waren ebenfalls schon da, allen voran Großmeister Thassilo. Nicht einsortieren konnte ich zunächst jene, die sich später als die Vertreter des Konzils herausstellten : die Cronpriesterin Menea in schwarz und die Alinapriesterin Nele in Orange, Lorgumpriester Aron ganz in weiß, und Solweig Ohnesorg als Vertreterin Irr´shins in gelb. Bald war auch das blau-gelb aus Frosthier zu sehen, allen voran Ritter Rhavin und ein Knappe. Graf Haakon konnte selber nicht erscheinen, für ihn sprach stattdessen Ritter Olaf, in Dunkelblau und mit rotem Drachen. Gräfin Gaea hielt regelrecht Einzug mit ihrem Hofstaat, eindrucksvoll anzusehen.

Als sich die Taverne gut gefüllt hatte, eröffnete die Gräfin die Bannerschau. Es wurde ein weiterer Raum durch eine Faltwand geöffnet, und um einen bunt geschmückten und behangenen Konferenztisch hingen die Banner von den Wänden. Da war Turm und Schwert aus Averbergen, der Hammer auf Purpur aus Hammerburg, die rote Sonne auf schwarz von Ludwigstein, gelbe Sonne auf blau aus Frosthier, Bäume und Speer aus Gerland, weißes “Geweih” auf schwarz von Hornwall, die beiden Raben aus der Nordmark, und schließlich das neue Banner von Oerhus, nämlich eine fünfblätterige weiße Blüte mit rotem Zentrum auf blauem Grund. Alle Banner wurden von den Umherwandernden andächtig betrachtet und sich eingeprägt.

Der weitere Abend bestand erwartungsgemäß im wesentlichen aus Fressen und Saufen. Die Mächtigen des Reiches unterhielten sich, schmiedeten Pläne oder tauschten Informationen aus, wo sie schon mal alle zusammentrafen. Mir und einigen Mitgliedern der Garde wurde die Ehre zuteil, den Vorgang von keinem Geringeren als dem Quintaner Valerian erläutert zu bekommen - dem Valerian, der beim Yorkfeuer seine Hand opferte, um seinem Gott zu dienen, wie ich hörte.

Die Quintaner dienen dem Konzil und leiteten daher unparteilich die Versammlung. Das Konzil, welches die vier guten Götter (Ishtar zählt nicht) repräsentierte, überwachte die Kür. Und die Kür wiederum, die besteht aus den Mächtigen des Reiches. Das wiederum sind die Grafen und je ein Vertreter von Reichsrittern, Volk und Hofstaat. Es gibt noch die Mächtigen durch Gefolge oder Anzahl, aber da keine von beiden anwesend waren, überspringe ich die einfach. Das Kerzenlicht ist eh ziemlich schummerig und manchmal fliegt ein Krug an meinem Kopf vorbei, wenn zwei Zecher hier in der Schankstube, wo ich gerade schreibe, irgendetwas ausdiskutieren.

Plötzlich war Aufruhr : der Graf von Hammerburg wurde bewußtlos im Hof aufgefunden, ein Giftanschlag ! Einem ruchlosen Meuchler war es gelungen, mitten unter uns einen Anschlag zu verüben ! Den Göttern sei gedankt, daß es den Heilern gelang, den Grafen nach langem Bangen den Klauen des Todes zu entreißen. Das Gift wurde als eine Art “Schlangengift” erkannt und so konnte wirksam eingegriffen werden. Es hub sogleich ein großes Suchen nach dem Übeltäter an, ein jeder Raum und ein jedes Gefäß in Taverne und Unterkunft wurden geprüfet. Sogar ich mußte einen tüchtigen Schluck aus meiner eigenen Flasche nehmen, um zu beweisen, daß mein Trunk rein war. Eine Pflicht, der ich gerne nachkam. Leider wurde nichts gefunden, und der Täter entkam unerkannt.

Tag zwei : die Kür

Heute war es dann soweit, der Tag der Entscheidungen. Er begann mit einem Gottesdienst des Hammeriten, bei dem einige Hammerburger ihre Waffen und sich selbst den Göttern weihten, auf daß sie ihre Hand für die gute Sache führen mögen.

Danach mußte zunächst einmal der Vertreter des Volkes bestimmt werden. Ich sah darin Schwierigkeiten, das Volk einigt sich eher ungern auf einen Kandidaten. Doch zum Glück leitete der Großmeister Thassilo selbst die Wahl des Volksvertreters, auf daß alles mit rechten Dingen zugehe. “Volk” war ein jeder, der selbst kein Adeliger war, also auch Knappen und Waffenrockträger aller Farben. So stand denn ein Haufen Gemeiner umher, und hatte zu wählen. Vorgeschlagen von den Frostiern wurde Leiah, die Heilerin (oder Schreiberin ?), doch schien es uns, als sei alleine die Tatsache, daß sie von Frosthierern vorgeschlagen wurde, ein Grund, sie für nicht gar so neutral zu halten, war doch Rhavin der schärfste Konkurrent von Langoras - beide, so das offene Geheimnis, strebten doch nach der Krone.

Als Gegenkandidat zur Heilerin wurde kurzerhand Jeremias der Feldscher bestimmt, indem ihn die Umstehenden vorschubsten. Er schien uns der perfekte Kandidat, da er überhaupt keine Lust hatte, Volksvertreter zu sein. Macht gehört eben am besten in die Hände derer, die sie nicht wollen. Die Abstimmung war denn auch deutlich - zur Heilerin stellten sich genau ein Hammerburger und ein Frosthierer, alle anderen stellten sich hinter Jeremias. Nichts gegen die Heilerin, hier ging es doch tatsächlich mal nur um Politik. Das wäre jetzt eine einfache und deutliche Wahl gewesen, wären nicht just in diesem Moment Harbard Ranviksson aus Hornwall mit zwei Getreuen eingetroffen. Er begann sogleich Gesetze zu zitieren, daß es nur einen Volksvertreter geben könne, wenn das Volk einstimmig entscheide. Außer den Hornwallern konnte allerdings niemand die Gesetzespassage, aus der sie dieses herleiteten, so deuten, und so hub ein Reden und Streiten an, und das murrende Volk wird ihn nunmehr nur noch “Harbard den Kleinkarierten” heißen. Schließlich beendeten die Quintaner den Tumult, indem sie weise entschieden, daß das Volk gewählt habe und daß die Wahl rechtens sei. Vielleicht hat Harbard (der Kleinkarierte) mit seinem Einspruch wenigstens erreicht, daß die Gesetze in diesem Punkt konkreter niedergeschrieben werden, dies sei dem König (wer immer das sein werde) angeraten.

Kurz darauf war auch Reichsritter Orelan in schimmernder Wehr eingetroffen, seine Standarte im Arm. Er würde für die Reichsritterschaft abstimmen. Ebenfalls anwesend war nun Ritter Kai aus Oerhus, der kurz darauf anfing, Stöcker mit roten Spitzen vor der Taverne in den Boden zu rammen und Holzklötze aufzustellen. Was zunächst wie ein magisches Ritual aussah, entpuppte sich als ein Spiel, bei dem zwei Herren mit Stäben Holzklötze umwerfen mußten, um sodann mit eben diesen Holzklötzen auf weitere Holzklötze zu werfen. Sehr kurios. Derart beruhigt das bunte Treiben genießend ergötzte uns noch Quintaner Valerian dadurch, daß er uns salbungsvoll aus dem Buch der Sprüche vorlas. Einem dicken Buch. Ein erquickender Genuss - wenn man sowas mag.

Dann war der große Moment, auf den alle viele Monde gewartet hatten, gekommen, die Versammlung trat zusammen. Dem Volk wurde das Beiwohnen gestattet, so es denn Ruhe bewahrte. Um den Tisch saßen die Grafen, die Vertreter von Reichsrittern, Hofstaat und Volk, das Konzil - und symbolisch der König, vetreten durch Purpurmantel und Krone.

Als stimmberechtigt anwesend wurden festgestellt : Graf Klaas Radebrecht für Hammerburg Ritter Olaf für Frosthier Jeremias der Feldscher für das Volk Reichsritter Orelan für die Reichsritter Mara für den Hofstaat Gode Harbard Ranviksson für Hornwall Gräfin Gaea für Oerhus Graf Derfell für Averbergen

Der Stuhl für Gerland blieb leer, ebenso der für die Nordmark und die Grafschaft Ludwigstein. Graf Gerd von Gerland war nicht erschienen, Graf Helson war nicht angereist, und Ludwigstein ist die Grafschaft des abwesenden Königs Lorjak.

Als erstes stellte Harbard einen Mißtrauensantrag gegen Konzilsmitglied Aron, den Lorgumpriester. Er berief sich dabei auf Geschehnisse während des letzten Yorkfeuers, bei dem ich selbst nicht zugegen war. Mir wurde das Glück zuteil, die Geschichte später von Langoras selbst erzählt zu bekommen, der ja nicht unerheblich Anteil hatte und tiefere Einblicke gewährte, als ich sie hier in der rauchigen Taverne wiederzugeben bereit bin. Die anwesenden Grafen stimmten Harbars Aufforderung, Aron des Konzils zu verweisen, zu, jedenfalls wenn ich das richtig verstanden habe. Das Konzil selber enthielt sich, weil es ja nicht stimmberechtigt bei der Kür ist, folgten der Aufforderung jedoch nicht, da die Grafen bei der Zusammensetzung des Konzils gar kein Mitsprache recht haben.

Nun mußte als erstes beschlossen werden, ob denn überhaupt ein neuer König gewählt werden sollte, denn König Lorjak war schließlich offiziell noch im Amt. Es entsponn sich eine lange Debatte, in der die wesentlichen Punkte die waren, daß König Lorjak lange, sehr lange fort sein konnte - es mögen Hunderte von Jahren vergehen, denn Elfen haben viel Zeit. Larhgo braucht einen König für das jetzt und hier. Auch der Zwerg Goras, der ein Schreiben seines Volkes überbrachte, tat deutlich kund, daß das Ansinnen König Lorjaks, die Völker unter einer Krone zu vereinigen, sehr lange dauern möge, denn der König der Zwerge hatte nicht die Absicht, sich dem König der Menschen zu unterstellen - eine Elfen schon gar nicht. Wieder einmal war übrigens Gode Harbard Ranviksson anders gesonnen als alle anderen, war gegen die Abwahl König Lorjaks und die Entscheidung fiel mit sieben zu eins (Harbard Ranviksson) deutlich aus - Lorjak war offiziell nicht mehr König von Larhgo. Das Reich war jetzt königlos. Es sei hier angemerkt, daß die Versammlung ins Gesetz aufnehmen will, daß Lorjak, sollte er denn jemals zurückkehren, in kürzester Frist die Kür einberufen kann, damit sie darüber entscheide, ob er wieder als Herrscher eingesetzt wird, und daß das zusammen mit Lorjak verschwundene Reichsamulett weiterhin größte Bedeutung habe.

Jetzt wurde es ernst. Die Kandidaten zur Wahl des Königs wurden aufgerufen, vorzutreten, und erwartungsgemäß schritten Langoras und Rhavin zur Tischrunde. Beide mußten nun der Versammlung Rede und Antwort stehen. Streng wurden sie von den Mächtigen und dem Konzil geprüft und gehört. Sodann wurden von Quintanern die Wahlurnen herumgetragen, in die die Mächtigen des Reiches ihre Stimmsteine legten. Zwei Wahlgänge brauchte es nur, dann stand der neue König fest : Rhavin der Erste war unser neuer Herrscher. Preiset den König von Larhgo ! Spontan stimmten einige Anwesende die Hymne von Frosthier an, doch König Rhavin bemerkte zurecht, daß dies unpassend sei - es sei vielmehr die Hymne von Larhgo, die man singen solle, denn er spräche fortan nicht mehr als Frosthier, sondern als Larhgot.

Wenige Stunden später erfolgte dann die offizielle Krönung. Die Priester salbten ihn, legten ihm den Purpurmantel um und setzten schließlich die Krone Larhgos auf sein Haupt. Alle waren ergriffen von der Bedeutung dieses Momentes, und König Rhavins erste Worte stockten, um einige Tränen der Rührung zu unterdrücken. Selbst Langoras konnte sich der Erhabenheit der Szenerie nicht entziehen und kämpfte einen Moment mit der Fassung. Ich gestattete mir, Langoras in diesem Moment im Auge zu behalten, hatte ich ihn doch lange begleiten dürfen auf seinen Reisen und sein Wirken und Tun beobachten können. Es mußte ihn tief treffen, heute nur zweiter Sieger zu sein, nachdem er so lange Jahre für Larhgo gefochten und geblutet hatte. Doch der Schmerz wich schnell aus seinem Herzen, und schon kurz darauf war er wieder kreuzfidel und schmiedete neue Pläne, wie er den Ruhm des Reiches mehren könne, und schien dem neuen König sein Amt nicht zu neiden.

Der Rest dieses denkwürdigen Tages verging zunächst mit einem gar trefflich Gelage. Reichsritter Lothar traf ein, zu seinem Ärger gerade zu spät, um den so bedeutsamen Moment noch miterleben zu können. Der König wandelte noch sichtlich unter dem Eindruck des Geschehenen umher und mußte sich an die schwere Last der Krone auf seinem Haupte und den langen Purpurmantel gewöhnen - ein jeder schien plötzlich irgendwas von ihm zu wollen. Aber das ist eben das Kreuz, das ein König zu tragen hat.

Einige gingen noch auf den Turnierplatz und erprobten sich im Kampf, wobei eifrig gefochten und schadenfroh gelacht wurde. Auch ich trat gegen den Herrn Goras und sogar gegen Langoras an, wobei die mich treffenden Hiebe natürlich einzig und alleine auf meine Erschöpfung zurückzuführen waren, da ich mich vorher noch gar heftiglich mit meiner Begleiterin Cho schlug, die endlich das Waffenhandwerk erlernen wollte. Wie trefflich sie dabei zu werke ging, konnten Goras und Langoras ebenfalls noch am eigenen Leibe verspüren, und nur mit viel Glück entkamen sie Chos ungezielten, aber begeisterten Hieben mit heilen Gliedern. Völlig ermattet aber bester Dinge zogen alle irgendwann wieder in die Taverne.

Dort wurde die bleiche und erschrockene Priesterin der Alina hereingeführet und Langoras hieß seine Garde, sich schleunigst zu bewaffnen und alle in der Taverne zu schützen. Ohne ein fragendes Wort sprangen die Recken der Schwarz-Weißen Garde auf, ließen ihren Met stehen und wappneten sich mit Schild und Schwert. Ich fühlte mich verpflichtet, es ihnen gleich zu tun, denn zu lange treibe ich mich schon mit ihnen herum, um ihnen den Spaß ganz alleine zu lassen. Als wir dann draußen in der finsteren Nacht zusammen mit Gerüsteten der anderen Grafschaften Ausschau nach Angreifern hielten, wurde uns erklärt, die Priesterin habe Ruthger Eibenstab gesehen, offenbar ein Schwarzmagier und ganz übler Geselle. Gerüchteweise hörte ich, er solle es auf einen Ring abgesehen haben, den das Konzil vom toten Finger des Magiers Hora gezogen habe. Doch schon nach einer nicht langen Weile wurde die Wache wieder eingezogen, anscheinend war die Gefahr vorbei. Weiteres mögen die Magier wissen, oder die Priester, nicht aber wir schlichtes Fußvolk.

Kaum wieder ohne eiserne Wäsche sahen wir das Konzil, das sich erneut Vorwürfen von Harbard dem Kleinkarierten… äh, Harbard Ranviksson gegen Aron beschäftigen mußte, diesmal unterstützt von Ritter Olaf - so richtig schienen allerdings jene, mit denen ich später sprach, nicht zu verstehen, was denn genau eigentlich Aron vorgeworfen würde. Nach Ansicht vieler schien er genau das getan zu haben, was die Götter von ihm erwarteten. Aber wie schon gesagt, das ist ein wirres Thema, das ein anderer dem werten Leser erklären möge. Jedenfalls verkündeten sie, daß das Konzil nunmehr aus fünf Personen bestehe, da sie den Hammeriten als Mitglied auf Probe bis zum nächsten Yorkfeuer aufgenommen hätten. König Rhavin hatte allerdings auch keinen Zweifel daran gelassen, das er das nötigenfalles auch gegen den Willen des Konzils durchgesetzt hätte. Ich halte mich da heraus, ich hatte noch nie in meinem Leben etwas von Hammeriten gehört. Warum also gleich einer davon ins Konzil muß, brauche ich vermutlich nicht zu wissen.

Tag drei : Die Abreise

Man traf sich zum Frühstück und die Mächtigen wandelten umher und unterhielten sich über wichtige Reichsangelegenheiten. Wir Unwichtigen hingegen unterhielten uns über das ganz ausgezeichete Essen der letzten Tage. Das muß man wirklich extra hervorheben. Die Köchinnen hatten sich selbst übertroffen, und die Schankmaid war wirklich allerliebst. Bald hub dann auch der Reigen des Abschieds an und alle umarmten sich und wünschten sich alles Gute für ihre mehr oder weniger langen und gefährlichen Reisen.

Reiseerlebnisse :

Wir selber ziehen nun auf Geheiß des Königs nach Ludwigstein, was ich sehr begrüße, denn dort soll die schönste Burg des Reiches stehen, auch wenn sie schon länger nicht mehr angemessen instand gehalten wurde. Vorher machten wir aber noch einen längeren Umweg über die Nordmark, denn Langoras hatte ja der Versammlung versprochen, seine Bemühungen, ExKönig? Lorjak doch noch aufzuspüren, fortzusetzen. Außerdem wollten wir bei der Gelegenheit auch noch den Verbleib des Grafen der Nordmark, Yosseff Helson, aufklären, was uns aber leider nicht gelang. Er ist wohl auf Reisen und derzeit nicht erreichbar.

Langoras hat wohl auch noch mit einem alten guten Freund mit dem unaussprechlichen elfischen Namen Tathlyn Veladorn gesprochen, zumindet nehmen wir das an, denn er schlug sich eines Tages zu diesem Zwecke alleine in den Wald und kam eine ganze Weile später wieder hervor, während wir am Lagerfeuer faulenzten. Vielleicht sollte ich ihn einfach mal fragen, was die zwei, wenn überhaupt, besprochen haben. Aber ich glaube, es wäre irgendwie unhöflich, Langoras so auszufragen.

Ein besonderes Geschehnis muß ich dann aber doch noch erwähnen. Ich sammelte einige Tage später kurz vor Sonnenuntergang gerade Feuerholz im Wald, als ich Langoras auf einer Lichtung stehen sah. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich noch alles in der Reihenfolge wiedergeben kann, wie es geschah, denn ich war doch ganz schön durcheinander. Langoras sprach anscheinend mit dem Wald, und da wurde er von Windem umweht - jedenfalls schüttelten sich Blätter und Zweige um ihn herum und seine Haare und Kleidung flatterten in den Böhen - und der Wind schien ihm zu antworten ! Ich war wie erstarrt und konnte nichts von dem verstehen, was da gesprochen wurde, ich war doch zu weit weg, aber einen Namen habe ich doch vernehmen können, vermutlich weil ich ihn irgendwo bei einem Gespräch an einem Schenkentisch bei der Versammlung in Oerhus gehört hatte : Nogaras !

Ich glaube, das war ein mächtiger Magier, von dem man immer mal wieder in Larhgo hört. Ich hätte damals besser aufpassen sollen und mir merken müssen, was über den gesagt wurde.

Nach einigen Augenblicken verbeugte sich Langoras vor irgendwas oder irgendwem und der Wind erstarb. Da ich noch immer erstarrt in der Gegend herum stand, erblickte mich Langoras, als er seine zerzauste Kleidung ordnete, aber er schien nicht böse, daß ich ihn gewissermaßen belauscht hatte. Es schien ihm nicht von größerer Wichtigkeit zu sein. So traute ich mich denn zu fragen, was ich da gerade miterlebt hatte. Langoras lachte nur und sagte, das bedürfe einer zu langen Erklärung, aber es habe damit zu tun, Unterstützung bei der Suche nach Lorjak zu bekommen. “Vom Wind und von den Elben” wie Langoras sich ausdrückte.

Meine vorsichtige Anfrage, ob er denn über, hm, Fähigkeiten verfüge, die solche magisch erscheinenden Vorkommnisse bewirken könnten, verneinte er lachend. Nunja, wenn Langoras nun auch noch anfangen würde, mit Zaubersprüchen um sich zu werfen, wäre das vielleicht doch etwas zuviel des Guten. Innerlich mußte ich bei der Vorstellung grinsen, wie Langoras Kaninchen aus Hüten zaubert.

Vielleicht war es ja auch kein magisches Vorkommnis, das ich gesehen hatte, sondern es hatte mit den Göttern zu tun. Immerhin hat Langoras ja die Priesterschaft Crons gegründet, und soll schon mit Cron persönlich gesprochen haben. Ich finde diesen ganzen übernatürlichen Kram immer etwas beunruhigend, deswegen habe ich auch meinen Reisegefährten noch nichts von dieser Episode erzählt. Vielleicht sind die aber dererlei auch schon längst von Langoras und seinen recht illustren Bekannten gewöhnt.

Jetzt sind wir jedenfalls endlich auf dem direkten Wege nach Ludwigstein. Ich bin gespannt, welche neuen Abendteuer dort auf uns warten, denn Larhgo überrascht mich täglich aufs Neue mit Wundern und Narreteien des Lebens.

Euch allen den Segen der Götter,

Docatius Viator

– Langschwert 2007-06-08 18:51